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Der fehlende Respekt der älteren Generation

Heute schlage ich zurück. Genug vom Gejammer über die mangelhafte Erziehung der heutigen Jugend. Ein schlauer Mann sagte einst: "Ein Schüler ist so gut wie sein Lehrer" und deswegen möchte ich heute über die täglichen Berührungen und den täglichen Sexismus berichten.
Ich arbeite in der Männerbranche. Ich beginne nun in meiner zweiten Firma und diese, wie auch die vorherige, stellen bzw. stellten mit mir die erste Frau ein.
In der ersten Firma ging einiges gründlich daneben. Mir fehlte Vitamin B und während andere als Schager der Tante des Sohnes des Chefs in der Firma angestellt waren, durfte ich buckeln. Auf Montage kommt man sich nahe. Man sieht tagelang nur seine Kollegen und so erzählt man sich auch den ein oder anderen privaten Quatsch.
Ich hielt meinen Mitarbeiter immer für sehr hilfsbereit und machte mir keine Sorgen, als er mich ständig zu sich einlud. Als dann eines Abends aber eine Einladung in sein Hotelzimmer folgte, die ich ablehnte, kam eine Nachricht, die mein Leben veränderte. Ich rechne hiermit grade mit ihm ab, würde ich behaupten. Einige Zitate: "Noch nie musste ich an eine Frau so viel denken, wie an dich", "Du bist schon so reif für dein Alter" und "Du gehst mir nicht mehr aus dem Kopf" waren noch harmlos. Was dachte dieser erwachsene Mann sich, dessen Kinder älter sind als ich? Für mich brach eine Welt zusammen als ich 600km weit weg von zu Hause allein in meinem Hotelzimmer hockte und nicht weiter wusste.
Ich fand eine Lösung und nun, ein Jahr später, traf ich meine eigene Entscheidung. So geht es nicht mehr. Ich suchte mir einen neuen Betrieb und hoffe nun, dass die Leute dort wissen wie man sich gegenüber Auszubildenden verhält.

Diese krasse Erfahrung ist aber im Endeffekt nichts besonderes für mich. Vor einem Jahr fing ich an im Service zu arbeiten und seit einigen Monaten nun als Hostess. Was so eine Hostess tut, ist leicht erklärt: Doof rumstehen und nett lächeln. Ich werde fürs Aussehen, für meine Anwesenheit und für mein Lächeln bezahlt. Achja und das Durchhaltevermögen auf hohen Schuhen.
Es macht mir Spaß für die höchsten Tiere oder die, die sich so fühlen, zu arbeiten. Man sammelt eine Menge Erfahrung.
Man sammelt eben auch einige Erfahrung mit sexistischen Äußerungen und bekommt eine dicke Haut und darum soll es hier gehen.
Auf der Baustelle erlebt man diese stumpfe Dummheit anderer. Nichts, worüber ich nicht lachen könnte. Meine Lieblingsbemerkung ist "Och Mensch, warum stellt unser Chef nie hübsche Frauen ein?"und obwohl durchaus derbe Kommentare gang und gebe sind, besteht immer ein Funke Respekt beider Seiten.

Als Hostess erlebe ich alles abseits von Respekt und Achtung. Ich bin die höfliche, freundlich lächelnde Dame, die jedem den Weg zeigt. Ich werde gleichzeitig auch so behandelt, als könnte ich nichts anderes. Die Leute tun, als wäre diese Tätigkeit meine Hauptbeschäftigung, weil ich nie etwas gelernt hätte oder lernen würde.
Zu abschätzigen Blicken oder Komplimenten, die sich einige Herren auch sparen könnten, kommen in diesem Fall aber auch Berührungen. Ob das ständige Schulter streicheln oder der schonungslose Griff um das Handgelenk, ich habe viel erlebt. Ich lächle freundlich weiter, obwohl ich dem Renter vor mir, der mich nicht loslässt, gerne auch mal einen Tritt verpassen würde.
Letztens unterhielt ich mich mit einem Mann - Mitte 40 - typischer Familienvater - und sprach davon, dass ich für diese Veranstaltung gebucht wurde. Bei diesen Worten starrte er mir auf den Bereich abseits meines Gesichts und grinste: "Achso, Sie kann man also buchen?".

Manchmal frage ich mich, ob ich den Männern dieser Welt wegen solcher Kommentare und Taten misstraue. Männer in meinem Alter machen eigentlich gar nicht so viel verkehrt und wissen sich zumindest zu benehmen, wenn sie mir gegenüber stehen und das ist für mich schon eine Menge wert.

Wenn ihr mögt, könnt ihr mir gerne von euren Erfahrungen berichten. Ich würde mich sehr freuen zu hören, was ihr im Alltag oder auf der Arbeit schon erlebt habt. Man muss natürlich nicht immer alles zu ernst sehen, aber jeder zieht seine eigenen Grenzen und Respekt ist das höchste Gut.

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